Begleitskript zur Lehrveranstaltung
Die „neuen“ sozialen Bewegungen (z.B. Bürgerrechts-, Frauen-, Friedens-, Ökologie-Bewegung; Bewegung der Globalisierungsgegner – „Attac“) sind in der öffentlichen Diskussion über Sozialstaat und soziale Probleme wichtige Aktivposten der Meinungsmobilisierung. Soziale Bewegungen - das sind kollektive Organisationsformen von Akteuren, die auf eine mehr oder weniger tiefgreifende Veränderung der Gesellschaft abzielen und sich dabei überwiegend außerparlamentarischer Strategien des politischen Protests bedienen. Soziale Bewegungen setzen für ihre Ziele in erster Linie auf Protest in Gestalt von öffentlich sichtbaren Mobilisierungen (z.B. Straßendemonstrationen; spektakuläre und medienwirksam inszenierte Protestaktionen), mit denen sie auf die öffentliche Meinungsbildung, auf politische Gegner und staatliche Politik einzuwirken versuchen. Soziale Probleme sind die Anknüpfungspunkte des politischen Protests der sozialen Bewegungen - der Abbau von sozialen Ungleichheiten und die Verwirklichung von sozialer Gerechtigkeit, die Minderung von sozialer Ausgrenzung, die Verwirklichung eigensinniger alternativer Lebensmuster und Lebensorientierungen ist ihr Ziel.
Ziel der Lehrveranstaltung ist es, in die soziologischen Theorien der Bewegungsforschung einzuführen. Theoretischer Leitfaden ist hier das Konzept des „politischen Empowerments“ (Herriger 2006). Die Studierenden werden eingeladen, eine ausgewählte soziale Bewegung einer theoretischen und empirischen Analyse (qualitatives ExpertInnen-Interview) zu unterziehen.
Seminarinhalte:
1. Was ist eine neue soziale Bewegung? Definitionsbausteine
2. Schattenseiten der Modernisierung: Soziale Bewegungen im Modernisierungsprozess
3. „Neue“ soziale Bewegungen - eine Typologie: ökologische – demokratische - technologische Risiken; bedrohte kulturelle und ethnische Identität; Armut; Gewalt; Missachtung der Menschenrechte
4. Theorien der Protestmobilisierung und der Protestartikulation
5. Forschungsmethodik - Einführung in das qualitative Interview
6. Präsentation der studentischen Forschungsarbeiten -
Neue soziale Bewegungen in internationaler Perspektive: exemplarische Analysen
7. Ergebnisse erfolgreicher Empowerment-Prozesse:
psychologisches und politisches Empowerment.
Basisliteratur:
Bock, T.: Soziale Bewegungen. Ursachen, Wirkungen, Mechanismen. Wiesbaden 2008 (1-4)
Hellmann, K.U./Koopmans, R. (Hg.): Paradigmen der Bewegungsforschung. Entstehung und Entwicklung von Neuen Sozialen Bewegungen und Rechtsextremismus. Opladen 1999 (4)
Herriger, N.: Empowerment in der Sozialen Arbeit. Eine Einführung, 3. Aufl., Stuttgart 2007, S. 181-206
Roth, R./Rucht, D. (Hg.): Die Sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945. Ein Handbuch. Frankfurt 2007 (7).
Allgemein: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen Jg. 2002ff
Das komplette Begleitscript zur Lehrveranstaltung steht Ihnen als PDF-Datei (127 kb) zur Verfügung.
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