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Grundlagentext Empowerment

8. Empowerment und neue Professionalität in der psychosozialen Arbeit

Eine psy­chosoziale Praxis, die auf diesem Kapital von Vertrauen in die Stärken ihrer Adres­sa­ten auf­baut, nimmt Abschied von der Expertenmacht. Grund­lage allen pädagogischen Han­delns ist hier die Anerkennung der Gleichberechti­gung von beruflichem Helfer und Klient, die Konstruktion einer symmetrischen Arbeitsbe­ziehung also, die auf die Attribute einer bevormundenden Fürsorglichkeit ver­zich­tet, die Verant­wortung für den Arbeitskon­trakt gleich verteilt und sich auf einen Bezie­hungs­modus des partner­schaftli­chen Aus­handelns einlässt. Die Verwirklichung einer solchen ‚Arbeits-Partnerschaft‘ im pädagogischen Alltag ist an spezifische Voraussetzungen gebunden. Hierzu zählen u.a.: Die Einführung einer systematischen Ressourcendiagnostik: die sensible Diagnose lebensgeschichtlich verankerter Stärken und Ressourcen auf Seiten der Klienten; die vertragliche Regelung von Hilfebeziehungen: die Formulierung von ausgearbeiteten Hilfe- und Behandlungsverträgen, in denen die auf den Hilfeprozess bezogenen Ziele, Verfahren, Zeitperspektiven und Verantwortlichkeiten wechselseitig verpflichtend niedergeschrieben sind; das unveräußerliche Wahlrecht der Klienten: die Achtung der Eigenentscheidungen und der Selbstverantwortlichkeiten der Adressaten im Hinblick auf die Nutzung des sozialen Dienstleistungsangebotes wie auch im Hinblick auf die von ihnen markierten Grenzen der pädagogischen Zuständigkeit.

Mit dieser Neu-Vermessung des Arbeitskontraktes zwischen Sozialarbeiter und Klient aber ver­ändert sich die berufli­che Identi­tät der Sozialen Arbeit. Soziale Arbeit im Zeichen von Empowerment ist dann nicht mehr allein Pro­duktion von Dienst­lei­stungen oder parteiliches Eintreten für Klienten­in­teressen. Sie wird vielmehr zu ei­ner einfüh­lenden und un­ter­stützen­den Le­bensweg­-Begleitung, die Menschen in Zeiten der Lebensveränderung ermutigt und unterstützt und ihnen strukturelles Rück­grat für individuelle und kollektive Prozesse der Selbstbefreiung ist.

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